Kältehilfe

Bei länger andauernden Dauerfrosttemperaturen ist mit gesundheitlichen Schäden besonders betroffener Personen (insbesondere Personen ohne Obdach) zu rechnen. Die Gemeinschaften des Deutschen Roten Kreuzes sollten daher in solchen Lagen prüfen, ob und auf welche Art sie hier Hilfe bringen können.

Die nachfolgende Darstellung bezieht sich dabei auf den Einsatz- und Maßnahmeplan (EMPl) „Kältehilfe“ des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe vom Februar 2012.

Sind im räumlichen Einzugsbereich der Rotkreuzgliederung Personen oder Treffpunkte von Personen bekannt, die durch die länger andauernde Frostperiode gesundheitlichen Schaden erleiden können und denen Rotkreuzhilfe angeboten werden sollte?

Besonders sind hierbei folgende Personengruppen zu betrachten:

  • Menschen ohne Obdach,
  • ältere Menschen,
  • Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen,
  • Kinder und Jugendliche,
  • Menschen aus fremden Kulturkreisen.

Informationsquellen sind – neben eigenen Kenntnissen und Erkenntnissen – z.B. die ambulanten Dienste des DRK und/oder anderer Wohlfahrtsverbände, Kirchen, gemeindlichen Sozialämter. Die Ermittlung und Feststellung des Bedarfs erfolgt dabei in enger Abstimmung mit den vorstehend genannten Stellen. Bei der Entscheidung, ein solches Angebot aufzubauen, sollte dabei ein großzügiger Maßstab abgelegt werden, allerdings ist aber auch die Nachhaltigkeit sicherzustellen. Im Sinne der Aufgabenstellung des Roten Kreuzes sind neben den sozialen insbesondere die gesundheitlichen Bedarfe der betroffenen Menschen zu berücksichtigen.

Hilfreich kann in dieser Phase des Entscheidungsprozesses dabei auch die Kontaktaufnahme mit anderen Rotkreuz- oder Wohlfahrtsverbänden sein, die ähnliche Aktionen an anderen Orten bereits durchführen, um deren Erfahrungen mit aufnehmen zu können. Der Aufbau von Parallel-, Konkurrenz- oder Doppelstrukturen sollte dabei aber auf jeden Fall vermieden werden.

Ergibt die Bedarfsermittlung, dass die Rotkreuzgliederung unentgeltlich Hilfen für die beschriebene Betroffenengruppe bereitstellen sollte und kann, empfehlen sich nachstehende Einsatzgrundsätze für die Umsetzung:

  • Ausgabe warmer Bekleidung (z.B. aus der Kleiderkammer des eigenen oder des Nachbar- bzw. übergeordneten Verbandes)
  • Ausgabe warmer Getränke (Tee, heißer Fruchtsaft, KEINE alkoholhaltigen Getränke), evtl. auch Verpflegung
  • Medizinische Betreuung: Angebot medizinischer Hilfe durch den/die Rotkreuzarzt/ärztin (Erkältungskrankheiten, Erfrierungen)
  • Ausgabe von Wolldecken und isolierenden Unterlagen für die Übernachtung
  • Beratung: Hinweis auf verbandseigene, kommunale und/oder kirchliche Übernachtungsmöglichkeiten

Festzulegen ist auch, zu welchen Terminen das Angebot durchgeführt werden soll (Wochentag, Uhrzeit, täglich / alle zwei Tage / alle drei Tage / wöchentlich). Dabei empfiehlt sich eine Einsatzfrequenz von täglich für die Ausgabe von warmen Getränken etc., für die anderen Aufgaben sollte eine Einsatzfrequenz von „alle drei Tage“ bzw. 2x wöchentlich gewählt werden.

Keineswegs sollte aber eine „Einmalaktion“ gestartet werden, die nicht wiederholt wird, sondern die Hilfeleistung sollte über die Dauer der Kälteperiode andauern (Verlässlichkeit).

Die Information mindestens nachstehender Institutionen über die geplanten Maßnahmen ist erforderlich:

  • der DRK-Einrichtungen am Ort
  • der übergeordneten Verbandstufe
  • der örtlichen Sozialbehörden
  • anderer Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbände und der Kirchen am Ort

Außerdem empfiehlt es sich, die Öffentlichkeit mittels einer oder mehrerer Presseverlautbarungen zu informieren und die Presse einzuladen, die Aktion „KÄLTEHILFE“ zu begleiten. Dies dient nicht zuletzt auch der Gewinnung von Sach- oder Geldspenden zur Finanzierung der Gesamtmaßnahme.

  • Aufsuchen der bekannten Treffpunkte betroffener Personen durch DRK-Helfer/innen in Einsatzbekleidung und mit Einsatzfahrzeug. Gerade auch Einsatzkräfte des TEAM WESTFALEN können dabei in vielen Fällen unter Beachtung derer Fähigkeiten und Kompetenzen erfolgversprechend eingebunden werden.
  • Dort Hilfsangebote wie geplant oder aus der Situation heraus erkennbar und erforderlich;
  • bei allen Hilfsangeboten Wahrung des Persönlichkeitsschutzes und der Intimsphäre der betroffenen Menschen;
  • Kommunikationsverbindung (Sprechfunk) zum DRK-Heim als Eigensicherungsmaßnahme und zur Nachforderung ggf. erforderlicher weiterer Hilfe.

Nach dem Ende der Kälteperiode ist eine Auswertung (Evaluation) der Maßnahme sinnvoll und erforderlich, um daraus die erforderlichen Rückschlüsse für eine spätere erneute Wiederholung zu ziehen und Verbesserungen zu erreichen. Diese Auswertung sollte insbesondere folgende Stichpunkte umfassen:

  • wurden die betroffenen Menschen von den Maßnahmen erreicht?
  • wurden die Angebote von den betroffenen Menschen angenommen?
  • welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es für spätere Wiederholungen?
  • kann eine spätere Wiederholung der Aktion KÄLTEHILFE zur weiteren Vernetzung der Rotkreuzaktivitäten mit Leistungen anderer Einrichtungen genutzt werden?
  • wie war die Resonanz in der Presse und Öffentlichkeit?
  • betrdi/kaeltehilfe.txt
  • Zuletzt geändert: 2018/02/21 16:55
  • von brodesser