Hinweise zum Fahnenzeremoniell


Traditionsfahnen und Standarten stellen seit jeher sowohl einen hohen objektiven und vor allem auch ideellen Wert dar. Die aufwändigen Stickereien, die traditionellen Motive und Symbole des jeweiligen Vereines, die Farbenpracht und der Glanz, der von einer solchen Fahne ausgeht, ziehen bis in die heutige Zeit jeden Betrachter in ihren Bann. Über eine derartige Fahne zu verfügen, heißt nicht nur ein Stück Tuch mit verschiedenen Emblemen zu besitzen. Sie ist eine echte Rarität, die eine wichtige Bedeutung an Bestand, Zugehörigkeit und Fortleben in sich trägt. Die Traditionsfahne ist das Symbol des Rotkreuzverbandes und vermittelt Werte wie Solidarität, Freude und Menschlichkeit.

Dieses Merkblatt soll helfen, den Umgang mit den Traditionsfahnen im Deutschen Roten Kreuz entsprechend würdevoll zu gestalten.

Dabei ist zu beachten: das Fahnenzeremoniell unterliegt in ganz besonderem Maße regionalen oder lokalen Gepflogenheiten und Traditionen. Es ist daher sinnvoll, vor dem offiziellen Auftreten einer Fahnenabordnung mit anderen Beteiligten, bei Trauerfeiern mit dem Bestatter, diese Besonderheiten abzustimmen, um ein einheitliches Bild der verschiedenen Vereine und Verbände zu erreichen. Dabei sind auch Abweichungen von den in diesem Merkblatt vorgeschlagenen Regelungen möglich.

  • Die Fahne besteht im Wesentlichen aus dem Fahnenblatt, der Fahnenspitze, dem Fahnenstiel und dem Bandolier mit Fahnenschuh zum Tragen.
  • Die Standarte ist eine Fahne, deren oberer Rand an einem zusätzlichen Träger befestigt ist.
  • In Anlehnung an die ursprüngliche militärische Tradition wird die Fahne von einer Fahnenabordnung begleitet. Getragen wird die Fahne vom Fahnenträger, zwei Fahnenbegleiter nehmen die Fahne begleitend in die Mitte. Die aus dem militärischen Bereich kommenden Begriffe „Fähnrich“ für den Fahnenträger und „Fahnenjunker“ für die Fahnenbegleiter sind im DRK nicht mehr gebräuchlich, werden aber z.B. bei den Feuerwehren auch heute vereinzelt noch verwendet. Die Funktionen der Fahnenabordnung stehen Frauen und Männern in gleicher Form offen.

Auf einheitliche Dienstbekleidung der Fahnenabordnung (Dienstanzug oder Einsatzanzug mit weißen Textil- oder Lederhandschuhen) ist zu achten. Hierzu gehört auch die einheitliche Kopfbedeckung, wobei im DRK die Dienstmütze oder das Dienstbarett dem Helm vorzuziehen ist. Das Auftreten einer Fahnenabordnung ohne Kopfbedeckung sollte die Ausnahme bleiben.
Schärpen, wie sie z.B. im Bereich des Schützenwesens gebräuchlich sind, werden im DRK nicht getragen.

Das Bandolier wird durch den Fahnenträgern von der linken Schulter zur rechten Hüfte verlaufend so getragen, dass die Riemen jeweils auf Brust und Rücken diagonal liegen und der Fahnenschuh sich leicht rechts von der Mitte der Körpervorderseite befindet. Ein Tragen „um den Hals“ ist - auch wegen der dadurch entstehenden hohen Belastung der Halswirbelsäule - nicht zulässig!

Bei langdauernden Veranstaltungen ist ein Wechsel der Funktionen von Fahnenträger und Fahnenbegleitern möglich. Hierzu tritt der Fahnenbegleiter, auf den nicht gewechselt wird, frontal vor den Fahnenträger; dieser übergibt dem Fahnenbegleiter die Fahne „aufrecht hoch“. Anschließend wechseln der (bisherige) Fahnenträger und der (neue) Fahnenträger die Plätze und übergeben/übernehmen das Bandolier. Danach übergibt der die Fahne haltende Fahnenbegleiter die Fahne „aufrecht hoch“ an den neuen Fahnenträger und tritt anschließend an seine ursprüngliche Position zurück.
Gerade diese Prozedur sollte im Vorfeld geübt werden, damit sie nicht nach außen hin „unbeholfen“ erscheint. Der Wechsel der Fahne von einem Fahnenträger zum nächsten soll vielmehr flüssig und organisch geschehen.

Während des Fahnenzeremoniells ist die Fahnenabordnung aus der Gesamtheit der Gemeinschaft oder Einheit herausgelöst. Andere Aufgaben kann sie während dieses Dienstes nicht übernehmen.

Das Fahnenzeremoniell lebt in seiner Außenwirkung von einem flüssigen, ungekünstelten Auftreten, in dem die einzelnen Schritte und Formen wie selbstverständlich praktiziert werden. Dies ist nur zu erreichen, wenn die Fahnenabordnung dies geübt und möglichst auch selbst in seiner Wirkung gesehen hat. Ein Üben der einzelnen Bewegungsvorgänge, womöglich auch unter Nutzung einer Videoaufzeichnung zur Selbstkontrolle und Verbesserung der Bewegungsabläufe, ist dabei angezeigt. Ziel muss sein, nicht „eckig“ oder gar „zackig“ aufzutreten, sondern das Fahnenzeremoniell in ruhiger, gleichmäßig flüssiger Form darzustellen.

Die Fahne wird im Festzug oder in der Prozession im Fahnenschuh „gerade hoch“ getragen. Hat der Fahnenträger sein Ziel erreicht, so nimmt er die Fahne ab und stellt sie neben der rechten Schuhspitze ab („abgenommen“).
„Geschultert“ (auf der rechten Schulter) getragen wird die Fahne nur in Ausnahmefällen (z.B. Freimarsch), dabei ist das Fahnentuch samt Fahnenbändern mit der rechten Hand so zu umfassen, dass weder ein Teil des Fahnentuchs noch die Fahnenbänder herabhängen.
Als Ausdruck der Ehrerbietung wird die Fahne in bestimmten Situationen „gesenkt“. Hierzu wird sie aus dem Fahnenschuh genommen und mit beiden Händen in einem Winkel von etwa 45 Grad nach vorne gesenkt. Der Fahnenstiel wird dabei rechts neben dem Fahnenträger gehalten.

Bei Begleitung von Trauerzügen wird die Fahne als Zeichen der Trauer so über der Schulter („übergenommen“) getragen, dass sie fast waagerecht hängt.
Dabei ist es Aufgabe der Fahnenbegleiter, darauf zu achten, dass das Fahnentuch, der Trauerflor und ggf. die Fahnenbänder nicht den Boden berühren und den Fahnenträger durch leise gesprochene Hinweise ggf. darauf aufmerksam zu machen, dass er die Fahne um ein geringes höher tragen muss.
Ist ein Tragen der Fahne „übergenommen“ nicht möglich, wird die Fahne auch im Trauerkondukt „gerade hoch“ getragen. Bei der Rückkehr von der Trauerfeier oder vom Friedhof ist die Trageweise „geschultert“.

Beim Betreten und Verlassen einer Kirche senkt der Fahnenträger die Fahne vor dem Altar. Je nach örtlichen Gepflogenheiten kann hierbei auch ein „Fahnenschlag“ (die Fahne wird dreimal horizontal bewegt) üblich sein. Danach geht die gesamte Fahnenabordnung zu ihrem vorgesehenen Platz, die Fahne wird „abgenommen“ und steht auf dem Boden auf. Auch während des Gottesdienstes steht die Fahne abgenommen. Bei katholischen Gottesdiensten werden die Fahnen zur Wandlung, je nach örtlichem Brauchtum auch während der Einladung zur Kommunion gesenkt.
Die Fahnenabordnung steht während des gesamten Gottesdienstes und behält dabei die Kopfbedeckung aufgesetzt (ggf. Abweichung nach örtlichen Gepflogenheiten möglich).

Die Fahnen-Reverenz bei Begräbnissen und Trauerfeiern hat eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition. Zur Ehrung des Toten wird die Fahne dreimal über dem offenen Grab geschwenkt; alternativ (je nach örtlichem Brauchtum) wird das Fahnentuch als letzter Gruß in das offene Grab eingetaucht. Es empfiehlt sich, die örtliche Praxis z.B. bei dem Bestatter zu erfragen.

Beim Spielen einer Nationalhymne (des eigenen oder eines fremden Staates, ggf. auch der Hymne eines Bundeslandes) werden alle Fahnen präsentiert: die Fahnen werden „gerade hoch“ aufgenommen und in den Fahnenschuh gestellt. Die gesamte Fahnenabordnung steht still bis zum Ende des Abspielens der Hymne.
Erfolgt nicht unmittelbar nach der Nationalhymne der Auszug, wird die Fahne anschließend wieder in die Position „abgenommen“ gebracht.

Beim Vorbeimarsch der Fahnenabordnung an der Ehrentribüne wird die Fahne „gerade hoch“ im Fahnenschuh getragen, dazu kommt dann ein (erkennbarer) Blickwechsel der gesamten Fahnenabordnung zur Ehrentribüne hin. Der Blick zur Ehrentribüne wird während des Vorbeimarsches beibehalten.
Die Tribüne hat daraufhin die Fahne zu grüßen, nicht umgekehrt!

Quellen:
„Vom Umgang mit Fahnen oder über die heraldische Höflichkeit im DRK“, DRK-LV Baden-Württemberg (ohne Jahrgangsangabe)
Merkblatt „Verhalten in und außer Dienst“, DRK LV Westfalen-Lippe, 2003

Christoph Brodesser 2017/08/08 09:56

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  • Zuletzt geändert: 2017/08/08 23:40
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