San 05

Benutzung von Anaphylaxie-Notfallsets bei Patienten mit Insektengift-Allergie

Gerade im Sommer kann es im Rahmen von Sanitätswachdiensten immer wieder vorkommen, dass Patienten nach einem Insektenstich versorgt werden müssen. Dies vollzieht sich üblicherweise nach den in der Sanitätsdienstausbildung gelernten Regeln. Etwas anders ist die Situation, wenn diese Patienten wissen, dass sie an einer Insektengift-Allergie leiden. Diese Patienten führen in diesen Fällen ein sog. „Anaphylaxie-Notfallset“ mit sich. Die Verwendung der darin enthaltenen Medikamente und Hilfsmittel ist den Patienten bekannt und kann üblicherweise durch sie auch selbst durchgeführt werden. Auch für Angehörige, Freunde, Kollegen und Sanitäter ist ein sicherer Umgang mit dem Notfallset empfehlenswert. So können Begleiter den Allergiker bei der Anwendung beim anaphylaktischen Schock unterstützen, falls dieser dazu nicht in der Lage ist. In Einzelfällen ist es daher denkbar, dass Kräfte des Sanitätswachdienstes von diesen Patienten gebeten werden, ihnen bei der Applikation der Notfallmedikamente behilflich zu sein.

Das Allergie-Notfallset wird vom Facharzt bspw. bei einer Insektengiftallergie verschrieben. Es enthält mehrere Medikamente, die allergische Reaktionen im Falle eines Bienen- oder Wespenstichs lindern sowie Blutdruck und Kreislauf stabilisieren. In der Regel wird das Erste-Hilfe-Set immer dann verordnet, wenn es bereits vorher einmal nach einem Insektenstich zu einer allergischen Allgemeinreaktion gekommen ist. Verordnet der Facharzt ein Notfallset, sollte dieses von den betroffenen Personen insbesondere in den riskanten Sommermonaten immer mitgeführt werden. Erforderlich ist das Notfallset, um einen Bienenstich oder Wespenstich innerhalb weniger Minuten behandeln zu können. Das Notfallset ist u.a. bei Wespengiftallergie sehr wichtig. Es umfasst drei Medikamente, mit denen Insektenstiche sofort behandelt werden können. Dazu gehören in der Regel ein Kortison-Präparat und ein schnell wirksames Antihistaminikum als abschwellende Mittel. Zusätzlich enthält das Set eine Adrenalin-Fertigspritze, die Blutdruck und Kreislauf in Minutenschnelle stabilisiert. Notfallsets für Asthmatiker enthalten außerdem spezielle Asthma-Medikamente.

Die Zusammenstellung eines Anaphylaxie-Notfallsets erfolgt immer für einen bestimmten Patienten und wird durch den behandelnden (Haus-)Arzt verordnet. Vor jedem Einsatz muss sich daher die Einsatzkraft vergewissern, dass das Notfallset tatsächlich für den betreffenden Patienten vorgesehen ist (in der Regel durch ein Namensschild oder einen entsprechenden Aufkleber erkennbar). Falls das nicht möglich ist, darf der Einsatz nicht erfolgen und die weiteren Maßnahmen richten sich nach den üblichen Lehraussagen für die Versorgung von Insektenstichen. Bei Allergikern ist dann der Notruf und der Einsatz des Notarztes indiziert.

2.1 Adrenalin-Fertigspritze:

Der Adrenalin-Autoinjektor kommt zum Einsatz, wenn die Symptome über die Einstichstelle hinausgehen. Für Allergiker ist er besonders wichtig, da die anderen Präparate nicht sofort wirken. Adrenalin verengt bei einem Blutdruckabfall in Minutenschnelle die Gefäße und stabilisiert dadurch Blutdruck und Kreislauf.

2.2 Antihistaminikum:

Antihistaminika werden bei allergischen Reaktionen wie z. B. Heuschnupfen eingesetzt. Im Anaphylaxie-Notfallset ist ein schnell wirkendes Antihistaminikum enthalten, das abschwellend wirkt und die allergische Reaktion mindert. Es sollte ohne Flüssigkeit eingenommen werden können, also z.B. Tropfen oder Schmelztabletten.



2.3 Kortison:

Das Kortison-Präparat im Notfallset wirkt ebenfalls abschwellend und sorgt dafür, dass die allergischen Reaktionen schnell nachlassen. Auch Kortison gibt es flüssig zum Einnehmen.

Während die Anwendung der in Tropfen- oder Tablettenform vorliegenden Medikamente unproblematisch ist, muss die Anwendung des Adrenalin-Autoinjektors vorbereitet werden. Der Handel vertreibt Übungs-Injektoren, die mehrfach zu verwenden sind und die sichere Handhabung erlernen lassen. Es bietet sich daher an, diese Handhabung im Rahmen eines Dienstabends z.B. mit Unterstützung des Rotkreuzarztes zu erlernen und zu üben.

3.1 Anwendung des Adrenalin-Autoinjektors

  • Adrenalin-Pen mit der führenden Hand greifen (Rechtshänder rechts, Linkshänder links)

  • Sicherheitskappe mit der anderen Hand entfernen

  • Nadelende fest auf die Oberschenkel-Außenseite drücken. Ein Klicken zeigt an, dass die Injektion erfolgreich war.

  • Nach 10 Sekunden Injektor entfernen

  • Injektionsstelle für 10 Sekunden massieren

  • Notruf 112 (oder per Sprechfunk zur Leitstelle) - allergischen Notfall melden

  • Nach 5 - 15 Minuten zweiten Pen anwenden, falls keine Besserung eintritt

Auch Kinder können nach Insektenstichen allergische Allgemeinreaktionen entwickeln und sollten im Umgang mit dem Notfallset genauso sicher sein wie Erwachsene. Neben den Eltern, Angehörigen und Freunden sollten auch die Betreuer auf Familien- und Klassenausflügen, im Kindergarten und in der Schule über die Allergie informiert sein, damit sie im Notfall richtig reagieren können. Dies bezieht sich auch auf Betreuer z.B. des Jugendrotkreuzes bei Gruppenstunden und Freizeiten. Ein für Kinder verordnetes Notfallset enthält alle Medikamente in einer geringeren Dosis. Schulkinder kommen erfahrungsgemäß auch mit dem Adrenalin-Autoinjektor bereits gut zurecht, wenn sie zuvor in die Anwendung eingewiesen wurden. Bei kleineren Kindern ist es sinnvoll, dass auch Eltern und Betreuer den korrekten Einsatz des Adrenalin-Pens kennen, um bei Bedarf helfen zu können. Soweit solche Bezugspersonen die Kinder begleiten, hat deren Unterstützung immer Vorrang vor etwaigen Unterstützungsmaßnahmen des Sanitätsdienstes.

Da, wie oben ausgeführt, Anaphylaxie-Notfallsets immer durch den jeweiligen behandelnden Arzt verordnet und an die jeweilige Person angepasst werden, ist ein Mitführen nicht personalisierter Notfallsets durch den Sanitätsdienst nicht sinnvoll und kann sogar kontraindiziert sein.

Erstellt unter Verwendung von Ausführungen unter http://www.insektengiftallergie.de
Freigegeben am 17.08.2018 durch Dr. Uwe Devrient, Landesarzt
Bildquelle: www.apotheke-adhoc.de

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  • Zuletzt geändert: 2018/08/17 10:17
  • von brodesser